Krebspest

Wie alles begann

Durch das Einbringen von amerikanischen Flusskrebsen fand auch die Krebspest ihren Weg nach Europa. Erstmals trat die Krebspest 1860 in Italien in der Umgebung des Po auf (Alderman et al., 1988). Nachdem teilweise heimische Flusskrebsbestände zugrunde gingen, füllte man die Lücken mit amerikanischen Krebsen. Dies wurde in verschiedenen Teilen Europas so gehandhabt. Vor allem die dem Edelkrebs in Grösse und Geschmack ebenbürtigen Signalkrebse wurden in Seen, Teichen und Flüssen ausgesetzt (z.B. Bohmann, 2006; Hager, 2003). Mittlerweile wird die Krebspest als eine der weltweit 100 schlimmsten invasiven Spezies genannt (Lowe et al., 2000).

Von der Krebspest befallener bereits toter Sumpfkrebs
Von der Krebspest befallener bereits toter Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus). Foto: © Peter Jean-Richard

Was ist Krebspest?

Bei der Krebspest handelt sich um einen Ei-, Schein- oder besser gesagt einen Algenpilz (Oomycet) mit dem Namen Aphanomyces astaci. Genau gesehen handelt es sich bei den Oomyceten nicht um Pilze. Sie sind näher mit Algen verwandt, haben aber ein den Pilzen ähnliches Fortpflanzungsverhalten (Schrimpf, 2014). Die Übertragung erfolgt über sogenannte Zoosporen, welche von Sporangien des Erregers kranker, infizierter oder toter Tiere ins Wasser abgegeben werden (Strand et al., 2012). Die Zoosporen bewegen sich frei im Gewässer, wodurch eine Verschleppung der Krankheit durch Wasser oder nasse Gegenstände (Fischnetzte, Stiefel, Badehosen, usw.) möglich ist (Krebspestinfoblatt BLV).

Im Gegensatz zu den amerikanischen Arten, die sich über die Zeit an die Krankheit anpassen konnten, haben die europäischen Arten so gut wie keine Chance gegen den Erreger. Vereinzelt finden sich Überlebende einheimische Krebse und in Finnland wurde sogar eine Population von Edelkrebsen positiv auf A. astaci getestet (Jussila et al., 2011). Amerikanische Flusskrebse können in Stresssituationen oder wenn sie durch eine Krankheit geschwächt sind auch der Krebspest zum Opfer fallen. Die Annahme, dass alle amerikanischen Krebse Krebspestträger sind, hat sich indessen nicht bestätigt (Schrimpf, 2014). Eine erfolgversprechende Bekämpfungsmassnahme gegen die Krebspest ist noch nicht in Sicht.

Befallene Krebse zeigen verschiedenste Symptome:

Verdachtsfälle sind umgehend der lokalen Fischereiaufsicht zu melden!

Massnahmen

Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können (Oidtmann et al., 2002). Gerätschaften müssen vor dem Einsatz in einem anderen Gewässer vollständig abtrocknen oder desinfiziert werden (Merkblatt Krebspest). Durch das Haltungs- und Einführungsverbot erhofft man sich keine neuen Einschleppungen durch Aquarienbesitzer oder aus dem Gastronomiebereich.


Quellen:

Alderman D. J. & Polglase J. L. (1988). Pathogens, parasites and commensals in D. M. Holdich and R. S. Lowery. Freshwater crayfish: biology, management and exploitation. Croom Helm: S. 167-212

Bohman P., Nordwall F., & Edsman L. (2006). The effect of the large-scale introduction of signal crayfish on the spread of crayfish plague in Sweden. Bulletin Français de La Pêche et de La Pisciculture, 380-381: S. 1291–1302.

Hager J. (2003). Edelkrebse: Biologie - Zucht - Bewirtschaftung. Leopold Stocker Verlag, Graz-Stuttgart: 128 S.

Jussila J., Makkonen J., Vainikka A., Kortet R., & Kokko H. (2011). Latent crayfish plague (Aphanomyces astaci) infection in a robust wild noble crayfish (Astacus astacus) population. Aquaculture, 321(1-2): S. 17–20.

Lowe S., Browne M., Boudjelas S., & De Poorter M. (2000). 100 of the World’s Worst Invasive Alien Species A selection from the Global Invasive Species Database. Published by The Invasive Species Specialist Group ISSG a Specialist Group of the Species Survival Commission SSC of the World Conservation Union IUCN 12pp First Published as Special Liftout in Aliens: 11 S.

Oidtmann B., Heitz E., Rogers D., & Hoffmann R. W. (2002). Transmission of crayfish plague. Diseases of Aquatic Organisms, 52: S. 159–67.

Schrimpf A. & Schulz R. (2014). Neue Erkenntnisse zur Krebspest. Biologische Station Städte Region Aachen e.V. (Hrsg.): Internationale Flusskrebstagung. Beiträge zur Fachtagung des LIFE+ Projekts „Wald-Wasser-Wildnis“ & des Forum Flusskrebse e.V., Schleiden-Gemünd 2013: S. 66-69.

Strand D., Jussila J., Viljamaa-Dirks S., Kokko H., Makkonen J., Holst-Jensen A., Viljugrein H. & Vrålstad T. (2012). Monitoring the spore dynamics of Aphanomyces astaci in the ambient water of latent carrier crayfish. Veterinary Microbiology, 160(1-2): S. 99–107.